Turngeschichte

Der eigentliche Begründer des Turnens, der deutschen Turnbewegung und des ersten Turnvereins ist "Turnvater" Friedrich-Ludwig-Jahn. Aber das Turnen ist nicht nur eine Erfindung F.-L.-Jahns, sondern wurde und wird vor allem von Vor- und Grundschulkindern in Haus, Garten, an Spielplätzen u.a. immer wieder neu entdeckt. Bereits in der Frühgeschichte der Menschheit sind Leibesübungen aus dem angeborenen Spieltrieb, dem Leistungsbedürfnis des Menschen und auf  Grundlage seiner natürlichen Bewegungen entstanden.

Der Begriff „Turnen“ von Jahn geprägt und eingeführt, steht für vielseitige Leibesübungen (Laufen, Werfen, Springen, Turnen an Geräten, Spielen etc). In diesem Sinne gibt es das Gerätturnen seit der Gründung des ersten Turnplatzes 1811.

1806 siegte Napoleon  gegen die Preußen in Jena und Auerstedt. Friedrich-Ludwig-Jahn wird Zeuge dieser Niederlage und der Niederwerfung Deutschlands. Hier trifft er die Entscheidung seines Lebens, für die Einheit und Freiheit Deutschlands zu wirken

Friedrich Ludwig Jahn im Alter von 34 Jahren   

geboren: 11.08.1778 in Lanz bei Lenzen (heutigen Land Brandenburg)

gestorben: 15.10.1852 in Freyburg an der Unstrut

1807 besuchte F.-L.-Jahn  die Erziehungsanstalt Schnepfenthal bei Gotha in der Johann Friedrich GutsMuths seit 1785 dein System der pädagogischen Leibesübungen entwicktelt hatte. Dessen Grundanliegen war es, durch gymnastischen Unterricht parallel zum Geist auch den Körper zu üben. Hier studierte Jahn die pädagogische Gymnastik und erhielt Impulse für die Einführung des Turnens in Deutschland.

    

Erziehungsanstalt in Schnepfenthal bei Gotha

1810 gründete Jahn den "Deutschen Bund", den Vorläufer de Burschenschaften. Wichtigste Ziele dieses Bundes waren die Befreiung Deutschlands von der französischen Herrschaft und die nationale Einheit.

18.06.1811 Eröffnung des 1. deutschen Turnplatzes auf der Berliner Hasenheide. Jahn erfand die Turngeräte Barren und Reck. Das Turnen stellte Jahn in den Dienst der Nationalerziehung und verknüpfte es so mit dem politischen Ziel der Überwindung der feudalstaatlichen Zersplitterung zu Gunsten eines deutschen Nationalstaates. Turnen war zudem Teil der patriotischen Befreiungsbewegung und wurde vom Kampf gegen die französische Besatzungsmacht wesentlich geprägt. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten erhielt Jahn in der Besatzungszeit von staatlichen Stellen Unterstützung.

    

Turnplatz Hasenheide 1818

Zeitgenössische Darstellungen

Zeitgenössische Darstellung vom Turnplatz

1813 Turner und Studenten bewähren sich im Lützower Freicorps. Jahn selbst ist einer der Kommandeure.

1816 verfasste Jahn mit Ernst Eiselen das klassische Werk der Turnliteratur "Deutsche Turnkunst". Mit diesem Hauptwerk schuf  Jahn (als Anleitung zur Errichtung von Turnplätzen gedacht) ein getreues Spiegelbild des Turnbetriebes auf der Berliner Hasenheide.

Nachdem 1819 einer der Gegner der Jahnschen Turnbewegung , der Dichter und Diplomat August von Kotzebue, von einem Jahnanhänger ermordet worden war, wurde im Land Preußen die Turnbewegung von 1819 bis 1841 verboten. Die Turner und Burschenschaftler unterliegen der so genannten "Demagogenverfolgung". Friedrich-Ludwig-Jahn wird vom Krankenbett seines Kindes weg verhaftet und 5 Jahre lang in Spandau, Küstrin, Berlin und Kolberg gefangen gehalten. Das Turnen im Freien war verboten, also zogen sich die Turner in Hallen zurück. Das führte zur Entwicklung des Gerätturnens.

1825 wurde Jahn unter der Bedingung, in keiner Universitäts-oder Gynmasialstadt Deutschlands zu wohnen, freigesprochen. Zutiefst verbittert zog er, auf Anordnung der Polizeibehörde und von aller Welt isoliert, nach Freyburg an der Unstrut.

1840 wurde Friedrich-Ludwig-Jahn durch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen rehabilitiert und erhielt nachträglich für Tapferkeit in den Freiheitskriegen das "Eiserne Kreuz".

15.10.1852 Friedrich-Ludwig-Jahn stirbt im Alter von 74 Jahren in Freyburg an der Unstrut.

Nachdem die Turnsperre aufgehoben wurde, entwickelte sich das Turnvereinsleben sprunghaft.

1860 Erste Deutsches Turnfest in Coburg

1861 zweites Turnfest in Berlin

1868 Gründung der Deutschen Turnerschaft in Weimar

1881 Gründung der Federation Internationale de Gymnastique (FIG, Sitz in Montier/Schweiz)

1893 Gründung des Arbeiter-, Turn-, und Sportbundes in Gera

1896 Erste Olympische Spiele der Neuzeit in Athen: für Männer findet ein Turnwettkampf statt

1928 Das Frauenturnen wird olympische Disziplin

Unter dem Hitler-Regime wurden die Dachverbände aufgelöst und dem Reichsbund für Leibesübungen einverleibt.

1950 Gründung des Deutschen Turner Bundes (DTB) mit Sitz in Frankfurt am Main. Dem

DTB gehören heute über 20.000 Vereine mit über 5 Millionen Mitgliedern an

1982 Gründung der Union Europeenne de Gymnastique (UEG) mit Sitz in Lausanne

Turnen wird von Frauen und Männern jeden Alters ausgeübt. Das seit 1860 stattfindende Deutsche Turnfest ist mit mehr als 100.000 Teilnehmern die größte Breitensportveranstaltung der Welt.